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Christophe Gourlan
Member of the Executive Board, Hansgrohe SE (Hansgrohe Group)

K#380 Christophe Gourlan, CSO Hansgrohe

🎥 Jun 25, 2022 📺 Kassenzone ⏱ 51m
Wie funktioniert der Vertrieb von Badarmaturen? In welchen Ländern bauen Menschen sich die Sachen selbst ein, wo braucht ...
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Transcript (13 segments)
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Alexander0:04
Christoph, hallo und willkommen zum Kassenzone Podcast. Heute reden wir über tolle Küchen- und Badarmaturen von Hansgrohe. Sag doch mal, wer du bist und was du genau machst.
C
Christophe Gourlan0:15
Hallo Alexander. Christoph Buch ist mein Name – Sie werden schon gleich fühlen an meinem Akzent, ich bin der Franzose hier aus dem Schwarzwald. Ich bin 49 Jahre alt, bei Hansgrohe seit 24 Jahren. Davor war ich vier Jahre in der Medizintechnik in Thüringen aktiv, und nach vier Jahren im Medizinbereich bin ich bei Hansgrohe gestartet im Vertrieben als Geschäftsführer einer französischen Niederlassung, dann in Belgien, dann auch geschäftsführerweise teilweise in Deutschland, und seit fünf Jahren als Vertriebsvorstand bei Hansgrohe.
A
Alexander0:56
Kannst du mal so ein bisschen für die Leute, die sich nicht so oft in eurer Branche rumtreiben, Hansgrohe beschreiben? Wie würdest du das jemandem beschreiben, was ihr verkauft?
C
Christophe Gourlan1:05
Also, Hansgrohe ist der Bad- und Kitchenarmaturen-Spezialist. Wir haben zwei Marken: die Marke Hansgrohe, das ist unsere Volume-Premium-Marke, und wir haben die Marke Axor. Mit der Marke Axor arbeiten wir mit namhaften, weltberühmten Designern wie Philippe Starck, Antonio Citterio, Jean-Marie Massaud. Wenn man googelt nach Top-Designern, meistens unsere Namen – bei Axor bieten wir exklusive, teilweise luxuriöse Bäder an, wo wir immer eine bestimmte Note in Bad prägen. Axor ist die Luxusmarke, Hansgrohe die Premium-Marke.
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Alexander1:56
Beschreib mal grundsätzlich Umsatz – ich hatte damals schon gegoogelt – so über eine Milliarde Euro, viertausend Mitarbeiter so in dem Bereich dreht sich das, oder?
C
Christophe Gourlan2:07
Ich runde die Zahl: eine Milliarde, 18, 20, über fünftausend Mitarbeiter. Wir haben noch nicht die Zahlen für 2021 veröffentlicht, deshalb werden wir keine Zahl für 21 kommunizieren können.
A
Alexander2:21
Und dann eine wahrscheinlich nervige Frage für dich besonders, quasi in einer Rolle als Chief Sales Officer: ich habe im Büro vorher nachgefragt, und es hieß so, zu sagen – habt ihr? Ja, kennen Sie Hansgrohe? Und die Antwort war: ja, weil wir haben auch Grohe-Produkte zuhause. Aber dass das unterschiedliche Sachen sind – das ist genau der Unterschied zwischen Grohe, das ist so ein blaues Logo, und Hansgrohe, das ist so ein grünes Logo mit weißer Schrift?
C
Christophe Gourlan2:44
Ja, also ich versuche kurz zu machen. Hans Grohe, der Gründer der Firma Hansgrohe, 1901 – das heißt, wir haben letztes Jahr unser 120-Jubiläum gefeiert. Der hat die Firma gegründet damals im Bereich Abfluss, viele Innovationen im Duschbereich. Hans Grohe und sein Sohn entwickelten viele Produkte in den 50er und 60er Jahren. Die Marke Grohe ist eigentlich – das ist ein Sohn von Hansgrohe, wo wir alle zusammengearbeitet haben, aber in den 70er Jahren haben sich die Firmen getrennt. 1970 war Grohe ein Volumen-Lieferant für Armaturen, Zweigriffmischer, und Hansgrohe war der Duschspezialist. In den 80er und 90er Jahren sind wir direkte Wettbewerber geworden. Also, wie du sagst, es gibt die blaue Marke Grohe und es gibt Hansgrohe mit dem grünen Logo.
A
Alexander4:03
Und es gibt sie ja nur um heute im Kassenzone Podcast. Wenn ich so einen Rückblick auf die letzten fast 400 Folgen mache, gab es noch niemanden aus dem Sanitärbereich – weder Händler noch Hersteller – der mit mir sprechen wollte. Man stellt die brennenden Fragen, sondern weil dieser Bereich ja so speziell organisiert ist, mit sehr vielen Stakeholdern: Großhändler, Distributoren, Installationsbetriebe und am Ende euch als Hersteller. Das sieht man ja auch oft auf den Webseiten: wenn ich heute auf Hansgrohe.de gehe, sehe ich nicht ganz groß jetzt die neuesten Produkte kaufen, sondern es wird immerhin die Fachhändler-Logik übertragen. Kannst du das ein bisschen erklären? Wie verkauft ihr heute eure Produkte? Wie kommt ihr auf diese Milliarde?
C
Christophe Gourlan4:46
Die Milliarde Umsatz ist das, was wir erlösen, wenn wir an die Fachhändler oder Distributoren verkaufen. Also erstmal: wir haben keinen Online-Shop. Unsere Strategie ist: Perfektion bis zur Transaktion – aber die Transaktion oder das Transaction ist nicht unser Job. Unser Beruf ist nicht direkt zu verkaufen, sondern wir wollen die Perfektion bieten, das beste Jahr, das beste Produkt, die Marke prägen und die beste Betreuung der verschiedenen Kunden. Die einzige Transaktion, die wir heute haben, ist in ungefähr 56 Ländern ein Ersatzteil-Shop – das haben wir in ein paar Ländern. Wir verkaufen ungefähr 4000 Produktartikel mit verschiedenen Farbvarianten und wir haben ungefähr 16.000 Ersatzteile. Wir haben sehr komplizierte Produkte – wir verkaufen kein Plug-and-Play-Produkt. Wir haben kein Smartphone, das man schnell ansteckt. Bei uns braucht man meistens eine Installation. Deshalb: wir haben drei Zielgruppen. Unsere Hauptzielgruppe ist Installationsfirmen – vom kleinen Installateur bis zum großen Installateur-Betrieb, teilweise mit 300–500 Mitarbeitern. Das heißt, unser Haupt-Channel ist der Installateur, weil es ein technisches Produkt ist. Und eines von den meistverkauften Produkten ist hier – das ist ein sogenanntes Dusch-Set, und dahinter sehen Sie unsere berühmte iBox. Das ist eines der meistverkauften Produkte in Deutschland, weil du täglich in der Dusche bist. Man braucht Know-how und ein großes Know-how, um das zu installieren. Es ist sehr einfach, intuitiv – aber es ist wichtig, mit dem Installateur unterwegs zu sein. Diese Installateur-Partnerschaft, diese Strategie – drei Strategien – ist ein Dialog, den wir auch weltweit haben: in Norwegen, USA, Japan. In der deutschsprachigen Zone haben wir sehr qualifizierte Installateure. Wir haben einen sogenannten Installations-Circle. Wir beliefern Installateure mit Informationsdaten, empfangen sie in Schiltach im Schwarzwald für Produkttraining. Aber wenn wir in Dubai sind oder in Indien, auf ein Projekt – teilweise haben wir einen großen Installationsbetrieb mit ein bis zwei Projektleitern oder Bauingenieuren, und da müssen wir für die Installation sicherstellen, dass der Kunde die Produkte richtig installiert. Der Installateur ist sehr, sehr wichtig, weil er der Hauptnutzer bzw. der Hauptanbieter der Produkte ist.
A
Alexander9:13
Der zweite – in die zweite Zielgruppe, die wir haben, ist – nehmen Sie, dass immer das PC-Fieber ist, bis die Feuerwehr ist, eigentlich der Architekt, der Innenausstatter, der Verkäufer – also die Person, die Ihre Produkte ausschreiben will, die die Marke spezifizieren wird in einem Text oder in einer Ausstellung, die dann uns beraten wird und das ist der sogenannte Specifier. Und dann tritt die dritte Zielgruppe.
C
Christophe Gourlan9:44
Die dritte Zielgruppe ist der Endverbraucher. Warum ist der einfach wichtig? Weil wir eine Marke sind, wir haben mit Wettbewerb zu tun, wir haben Marketing, und für uns ist es sehr, sehr wichtig, die Marke bekannt zu machen. Das haben wir – wir werden vielleicht später darüber investieren, um die Marke bekannt zu haben. Wir wollen beim Endverbraucher verankern und weiter steigen. Der Endverbraucher ist der Entscheider und der User – für uns sehr wichtig. Das sind die drei Hauptziele, die wir weltweit verfolgen: diese drei Zielgruppen, kaufen können sie über verschiedene Kanäle. Meistens allein in Deutschland über den sogenannten Fachhandel, aber manche kaufen online, manche kaufen im Baumarkt. Unsere Hauptkanäle sind historisch der traditionelle Handel, weil wir kein Plug-and-Play-Produkt haben, aber wir sehen auch im Baumarkt, bei Bauhaus, präsent. Und wir sind auch bei Online-Händler-Shops präsent.
A
Alexander11:43
Vielleicht da mal ein Problem aus der Praxis als des Endnutzers: wenn ich jetzt hier so ein Produkt kaufen will – ein Duschsystem – im Baumarkt oder auch bei Amazon, da kann ich eure Produkte auch kaufen. Reden wir vielleicht gleich mal drüber. Dann sagt der Installateur: ja, ja, da fährt irgendwie die Hälfte – nein, dass ich installiere, das nur, wenn das bei mir gekauft wurde. Und das wird ja zunächst in Deutschland so sein, dass der Marktplatz – ich habe Frieden als Endkunde – das führte zu dem Gefühl: aber ich müsste das bei dem Installateur kaufen. Dann verdient ja nochmal irgendwie 100 Euro daran mit, oder? Verkaufen wir besonders teure Teile? Und das ist ja so ein bisschen intransparent, und man versucht ja in anderen Vertriebsmodellen nicht zu haben und sagt: du kaufst jetzt hier, jeder kriegt den gleichen Preis, oder der Preis ist transparent. Dieses mehrstufige System über den Fachhandel und den Installateur – ist das zu intransparent und dann natürlich auch zu Unzufriedenheit beim Kunden? Ist das irgendwie lösbar, oder habt ihr ein bestimmtes Incentive-Modell für die Installateure?