Nils1:12
Ich sitze heute wie von Nils angekündigt natürlich beruflich hier, nämlich als Forschende, die sich viel mit digitaler Infrastruktur und Daten, aber auch KI beschäftigt, und als Fördergeberin, die mal selber Technologieentwicklung unterstützt hat und genau hinguckt, wenn es darum geht, welche Voraussetzungen denn erfolgreiche Entwicklungen brauchen. Sprache beschäftigt mich aber auch ganz privat, denn ich habe ein Elternteil, das muttersprachlich nicht Deutsch, sondern Englisch ist, wurde aber in den 80ern komplett auf Deutsch erzogen, weil man damals der Meinung war, Sprachmix könnte Kinder verwirren. Vielleicht auch etwas, das sich bis heute zieht. 1986 war einiges verwirrend, z.B. die Umweltkatastrophe Tschernobyl, aber Vielfalt war auch damals schon nicht das Problem eigentlich. Englisch ist für mich also privat bis heute eher eine Exklusionserfahrung, auf die Erwachsene switchen, wenn man nicht mithören soll. Und dann fast vor ein paar Jahren – und um zum eigentlichen Thema zu kommen – lernte ich dann natürlich doch noch Englisch in der Schule und ging in die Wissenschaft, und die ist international. Ich fördere und forsche mit Wissenschaftlern aus vier Kontinenten, meist auf Englisch, und dadurch bin ich tatsächlich in den letzten Jahren auch DeepL-User geworden. Und zusätzlich denke ich, dass Sprachkompetenzen etwas sind, was natürlich sehr verbinden kann mit den richtigen Voraussetzungen. Trotzdem hochkomplex, weil je nach Kontext können Worte auch unterschiedliche Bedeutung haben. Und ich gehe in dieses Gespräch also als Forscherin, Bürgerin, Konsumentin und versuche mit diesem Fragenmix alles abzudecken, was das Publikum vielleicht von dir wissen wollen könnte. Vielleicht als Einstieg: Übersetzung als Kompetenz, habe ich als Beispiel gefunden, ist so alt wie die Diversifizierung von Sprachen an sich. Die frühsten erhaltenen menschlichen Texte sind mesopotamische Tontafeln, die Listen mit Synonymen enthalten. Konntest du 2017, als du DeepL gegründet hast, tatsächlich schon absehen in laufender Globalisierung, dass es einen langfristig wachsenden Markt für Übersetzungen geben würde? Und was haben vielleicht auch deine privaten Erfahrungen mit Sprache, Integration und dieser Kontext mit der erfolgreichen Produktentwicklung zu tun?