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Jaroslaw Kutylowski
Founder and CEO, DeepL SE

[GEB] re:publica 25: Jaroslaw Kutylowski - DeepL Vom Hidden Champion zum deutschen KI-Aushängeschild

🎥 May 26, 2025 📺 re:publica ⏱ 27m 👁 95 views
DeepL Dive – Vom Hidden Champion zum deutschen KI-Aushängeschild DeepL wurde vom Kölner Startup zum globalen Übersetzungsstandard – mit Präzision statt Hype, Forschung statt Risiko. CEO Jarosław Kutylowski gibt Einblicke in Wachstum, Regulierung als Chance und Europas Rolle im KI-Wettbewerb. Speaker: Jaroslaw Kutylowski - https://re-publica.com/de/user/22725 Moderation: Katharina Meyer - https://re-publica.com/de/user/3765 Weitere Informationen: https://re-publica.com/de/session/dee... Mastodon: https://berlin.social/@republica Threads: https://www.threads.net/@re_publica Bluesky: https:...
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About Jaroslaw Kutylowski

Jaroslaw Kutylowski, CEO of DeepL, appeared on the Big Technology Podcast on July 8, 2026, to discuss the rise of specialized AI models. He argued that purpose-built models can offer better accuracy, lower latency, and reduced costs compared to large general-purpose systems, and noted that companies are increasingly using model routers to select the appropriate AI for each task. Kutylowski also highlighted real-time translation as a tool that could help businesses expand across borders, and described voice as the next frontier for AI. Kutylowski stated that AI translation tools like DeepL can reduce the upfront investment needed for companies to enter new markets by handling documentation, sales communication, and customer service in multiple languages. He described the ability for every person to talk to another person in the world as a "beautiful application of AI" that is worthwhile from both a business and human perspective.

Source: AI-verified profile updated from Jaroslaw Kutylowski's recent appearances. Browse all interviews →

Transcript (31 segments)
N
Nils0:16
Hallo Republika, hallo Jarek. Wenn man sich in ein Gespräch begibt, dann lernt man sich im besten Fall am Anfang ein bisschen kennen. Und wir sitzen hier heute faktisch zu dritt: Jarek, ich und DeepL als Firma. DeepL ist ein typisches Deeptech-Unternehmen im Bereich der maschinellen Übersetzung mit vielen untypischen Aspekten, wie z.B. seinem Hauptsitz, der ist nämlich in Köln. 2023 war DeepL eines der nur fünf privaten, nicht öffentlich gehandelten Techfirmen in Europa mit Milliardenbewertung, ein sogenanntes Unicorn. Der Weg dahin war ungewöhnlich leise. Kein klassisches Silicon Valley-Narrativ, Produktqualität vor Wachstum, und der CEO, der heute neben mir sitzt, hielt sich lange Zeit auch eher im Hintergrund. Deswegen ist dieses Interview auch immer noch was Besonderes. Willkommen Jaroslaw Kutylowski, noch mal.
J
Jaroslaw Kutylowski1:12
Danke.
N
Nils1:12
Ich sitze heute wie von Nils angekündigt natürlich beruflich hier, nämlich als Forschende, die sich viel mit digitaler Infrastruktur und Daten, aber auch KI beschäftigt, und als Fördergeberin, die mal selber Technologieentwicklung unterstützt hat und genau hinguckt, wenn es darum geht, welche Voraussetzungen denn erfolgreiche Entwicklungen brauchen. Sprache beschäftigt mich aber auch ganz privat, denn ich habe ein Elternteil, das muttersprachlich nicht Deutsch, sondern Englisch ist, wurde aber in den 80ern komplett auf Deutsch erzogen, weil man damals der Meinung war, Sprachmix könnte Kinder verwirren. Vielleicht auch etwas, das sich bis heute zieht. 1986 war einiges verwirrend, z.B. die Umweltkatastrophe Tschernobyl, aber Vielfalt war auch damals schon nicht das Problem eigentlich. Englisch ist für mich also privat bis heute eher eine Exklusionserfahrung, auf die Erwachsene switchen, wenn man nicht mithören soll. Und dann fast vor ein paar Jahren – und um zum eigentlichen Thema zu kommen – lernte ich dann natürlich doch noch Englisch in der Schule und ging in die Wissenschaft, und die ist international. Ich fördere und forsche mit Wissenschaftlern aus vier Kontinenten, meist auf Englisch, und dadurch bin ich tatsächlich in den letzten Jahren auch DeepL-User geworden. Und zusätzlich denke ich, dass Sprachkompetenzen etwas sind, was natürlich sehr verbinden kann mit den richtigen Voraussetzungen. Trotzdem hochkomplex, weil je nach Kontext können Worte auch unterschiedliche Bedeutung haben. Und ich gehe in dieses Gespräch also als Forscherin, Bürgerin, Konsumentin und versuche mit diesem Fragenmix alles abzudecken, was das Publikum vielleicht von dir wissen wollen könnte. Vielleicht als Einstieg: Übersetzung als Kompetenz, habe ich als Beispiel gefunden, ist so alt wie die Diversifizierung von Sprachen an sich. Die frühsten erhaltenen menschlichen Texte sind mesopotamische Tontafeln, die Listen mit Synonymen enthalten. Konntest du 2017, als du DeepL gegründet hast, tatsächlich schon absehen in laufender Globalisierung, dass es einen langfristig wachsenden Markt für Übersetzungen geben würde? Und was haben vielleicht auch deine privaten Erfahrungen mit Sprache, Integration und dieser Kontext mit der erfolgreichen Produktentwicklung zu tun?
J
Jaroslaw Kutylowski3:28
Ja. Ich glaube, also danke erstmal für die Einleitung. Ich glaube, es war schon ziemlich klar, dass Sprache auch einfach ein großes Thema ist für diese Welt. Ich glaube, dass die Technologie da helfen kann und wie sie helfen kann, das ist vielleicht etwas, was nicht so ganz klar war. Und ob wir als Unternehmen gleichzeitig dann auch erfolgreich sein können, das war vielleicht auch nicht so offensichtlich. Hättest du mich 2017 diesbezüglich gefragt, dann hätte ich sicherlich auch noch selber ein kleines Fragezeichen dabei gehabt. Aber dass das Bedürfnis für uns alle zu kommunizieren, zu sprechen miteinander da ist – und wir als Firma fokussieren uns schon dann auch ein kleines bisschen mehr auf die Businesswelt –, dass das vor allem da notwendig ist und dass da auch die Qualität und die Flüssigkeit der Sprache und all das auch super wichtig ist für Unternehmen, das war einfach klar. Wir mussten einfach nur schauen, wie können wir das Produkt und die Firma so entwickeln, dass es wirklich auch den Menschen an der Stelle hilft – von demjenigen, der freiberuflich oder selber privat auf die Plattform zugreift, bis hin zu einem großen DAX-Unternehmen oder einem Fortune-500-Unternehmen in den USA, was einfach auch internationalisieren muss. Privat, ich war nie das Sprachgenie in der Schule, muss ich sagen. Wenn man meine Lehrer in der Schule – sei es Deutsch, Polnisch, Englisch oder Französisch – gefragt hätte, dann hätten die wahrscheinlich nie geglaubt, dass ich irgendetwas mit Sprache zu tun haben werde in der Zukunft. Aber es ist ja auch so, das Thema ist hauptsächlich mathematisch, das Thema ist hauptsächlich von KI getrieben. Nichtdestotrotz, mit meinem polnischen und deutschen Hintergrund glaube ich, mir war dann schon auch recht schnell klar, wie wichtig unterschiedliche Sprachen sind. Und Köln ist nah an Frankreich und Co., ich glaube, das hilft uns dann auch, den Mitarbeitern, die auch wirklich zu verstehen, was das Problem wirklich bedeutet.
N
Nils5:31
Weil es aber ja ein digitales und auf Daten aufsetzendes Produkt ist – wo spielt denn dein Instinkt als Unternehmer eine große Rolle bei der Art und Weise, wie ihr DeepL und seine verschiedenen Unterfunktionen ausgestaltet? Und wo kann man tatsächlich über Datenanalysen, entweder über eigene Nutzer oder in anderen Datensätzen, tatsächlich interested sein, wie Produkte aussehen müssen, wie Sprache im beruflichen Kontext funktioniert?
J
Jaroslaw Kutylowski5:58
Ja, ich meine, das ist jetzt ein sehr, sehr breites Feld. Das hängt auch davon ab, ob wir uns einen Einzelnutzer anschauen oder ob wir uns Unternehmen anschauen. Die Bedürfnisse sind tatsächlich manchmal wirklich anders. Als Nutzer, wenn ich DeepL nutze, wenn du DeepL nutzt, oder jemand von euch, dann wollt ihr eine schnelle Übersetzung, ein Produkt, das wirklich auch einfach zu bedienen ist, etwas, wo man vielleicht mit der Übersetzung auch arbeiten kann und sie vielleicht noch verbessert, weil jeder von uns ist speziell und wir wollen nicht unbedingt wirklich das KI-generierte einfach so übernehmen. Das finde ich auch toll. Tatsächlich, wenn man sich dann wieder Unternehmen anschaut, dann sind die Anforderungen anders. Da geht's darum, wie erhalten wir eine einheitliche Sprache vielleicht über das Unternehmen hinweg. Ein großes Unternehmen wird ja seine Marke haben, die am besten überall in der Sprache von allen Mitarbeitern auch irgendwie eingebettet ist, weil das schafft dann auch ein einheitliches Kundenbild. Und insofern sind dann auch tatsächlich die Forschungsmethoden, wie wir da draufkommen, was unsere Nutzer, was unsere Kunden brauchen, auch ganz unterschiedlich. Wir machen alles von A/B-Tests und versuchen zu schauen, was bei unseren Nutzern gut ankommt. Wir machen Interviews, sprechen mit Hunderten, Tausenden Leuten, aber auch tatsächlich mittlerweile sehr stark mit den großen Unternehmen. Da sind wir auch einfach im Austausch.
N
Nils7:18
Ja, wir haben ja schon über Köln als Hauptstandort geredet. Um aber noch mal die Verbreitung sozusagen klarer zu machen, würde ich gerne noch mal mit an die Hand geben. Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann nutzen euch mittlerweile mehr als 120.000 Firmen, Behörden sowie Privatkunden in 63 Märkten, in denen natürlich irgendwie Sprache auch sehr unterschiedlich funktioniert. Und vielleicht kannst du noch was dazu sagen, in wie vielen Sprachen ihr nutzbar seid?
J
Jaroslaw Kutylowski7:45
In wie vielen Sprachen wir nutzbar sind? 33, glaube ich, mittlerweile, aber das wächst jetzt auch sehr stark. Wir haben jetzt auch einen starken Fokus auf asiatische Sprachen. Tatsächlich, mittlerweile angefangen haben wir ein bisschen mehr mit Europa, aber die Märkte in Asien sind auch sehr interessant für uns geworden, weil dort auch die Sprachbarriere eine sehr große ist und auch der wirtschaftliche Austausch zwischen den Ländern, sowohl im asiatischen Bereich intern als auch nach Europa, nach USA, auch ein sehr starker ist. Und da, klar, müssen wir schauen, dass wir auch lokale Teams haben, dass wir Teams vor Ort haben, die mit den Kunden sprechen können, die dann auch das vertreten können und die uns auch das Feedback geben, was funktioniert gut im Japanischen und was funktioniert nicht so gut. Deutsch haben wir ja hier so vor Ort ganz gut abgedeckt. Die paar europäischen Sprachen vielleicht auch. Sobald es ein bisschen exotischer wird, wird's auch schwieriger. Und vielleicht sind ja auch nicht alle Märkte gleich strukturiert.
N
Nils8:45
Ich kann es nur also für meinen Nutzungsfall sagen, da kommt halt der Wissenschaft. Ich glaube, ihr habt auch ganz gute Glossare für den Bereich Recht und vielleicht auch Administration. Also, alles ist ja ein bisschen unterschiedlich, was da am meisten nachgefragt ist. Noch mal, weil eben – ihr sitzt eben in Europa und wir sind ja auf der Republika, und ich glaube, man hätte mittlerweile mit dem Wort digitale Souveränität schon anfangen können Bingo zu spielen. Deswegen auch noch ganz eine spezielle Frage sowohl zu den Stärken als auch Schwächen vielleicht der Gründung hier vor Ort: Wenn man sich anguckt Datenschutz, DSGVO-Konformität, EU, Trust Center, das sind alle Sachen, die man auf eurer Website als Faktoren wahrscheinlich im Outreach findet. Wie sehr ist Vertrauen bei KI denn eine technische und wie sehr eine kulturelle Frage, und wie spielt es bei euch überhaupt rein?
J
Jaroslaw Kutylowski9:40
Ja, es ist sowohl eine technische als auch eine kulturelle Frage, oder eine, die von der Gesellschaft irgendwie auch gefordert wird oder von unseren Kunden und Unternehmen, und daraus folgt dann auch das technische irgendwo. Tatsächlich, Vertrauen ist bei KI extremst wichtig. Ich glaube, umso mächtiger KI in der Zukunft wird, umso wichtiger wird's noch mal werden. Je nachdem, was die KI macht und wie leistungsstark sie ist, werden wir sie auch in immer höherwertigeren Use Cases anwenden. Es ist ein kleiner Unterschied, ob wir jetzt eine E-Mail kurz übersetzen, einmal drüber schauen und sie an jemanden verschicken, oder ob wir einen Vertrag übersetzen und den ungeprüft dann unterschreiben und damit dann weiterarbeiten. Und insofern gelten dann natürlich auch unterschiedliche Regeln für die unterschiedlichen Anwendungsfälle. Und damit folgt dann auch, dass wir als Unternehmen uns wirklich stark darauf orientieren müssen, auch diesem Vertrauen gerecht zu werden.
N
Nils10:44
Genau. Ihr seid jetzt ein europäisches Unicorn im Bereich maschinelle Übersetzung. Es gibt im Bereich KI auch noch viele andere. Vielleicht ist es auch wertvoll, noch mal eine Unterscheidung zu treffen. Seid ihr in LMs? Habt ihr ein LM? Hat es einen überhaupt – also seid ihr im gleichen Geschäftsbereich?
J
Jaroslaw Kutylowski11:05
Ja, es ist eine komplizierte auch technische Frage tatsächlich, weil die Art und Weise, wie wir Modelle trainiert haben – oder die KI-Modelle, die wir trainiert haben, auch schon 2017 oder über die Jahre hinweg –, die unterscheiden sich auch nicht großartig von den LMs, die wir heutzutage so im Einsatz haben. Die Technik ist im Großen und Ganzen sehr ähnlich. Im Detail ist sie auch anders, aber das Betätigungsfeld ist ja schon dasselbe. Und im letzten Jahr haben wir tatsächlich dann auch unsere Übersetzungsplattform auf LMs umgestellt, die wir selber bauen. Die sind nicht generalistisch, die sind nicht für alles da, die können nicht alles Unterschiedliche machen, die sind wirklich dafür gebaut zu übersetzen, oder wenn es jetzt um DeepL Write, unser Schreibprodukt, geht, dann dafür noch mal die Sprache zu verfeinern oder so eine kreative Hilfe zu sein beim Schreiben. Also, die Technik ist eigentlich da drunterliegend unter der Haube dieselbe, die ist aber trainiert auf einen anderen Anwendungsfall.
N
Nils12:08
Und wenn man im Bereich der Infrastrukturen noch mal stärker reingeht – von den wir jetzt schon ein bisschen was über die technischen Spezifitäten gehört haben –, es gibt z.B. die Empfehlung im Bereich der Digitalität, so ein Foundational Model vorzuhalten, das dann auch öffentlich finanziert wird. Bei euch ist vielleicht noch ganz interessant: Ihr habt den Finanzierungsweg gewählt nur über internationale VCs, also habt gar keine öffentliche Förderung angenommen. War das Strategie oder Notwendigkeit?
J
Jaroslaw Kutylowski12:38
Ich bin da tatsächlich, muss ich sagen, auch ein Verfechter des privaten Marktes für Finanzierung. Ich glaube, sobald man eine gute Idee hat, sobald man ein gutes Team hat und sobald man das auch einigermaßen gut beweisen kann – was die Beweise sind, unterschiedlich, je nachdem, wie groß das Unternehmen ist natürlich –, dann sollte man auch in der Lage sein, auch wirklich Finanzierung auf dem Markt zu finden. Wenn man das nicht finden kann, dann ist es vielleicht auch eventuell eine Aussage darüber, wie gut man als Firma dasteht. Und ich glaube, die Märkte an sich funktionieren ganz gut. Ich glaube, VCs sind auch wirklich erfahren da drin, Firmen groß zu machen und Firmen zu helfen, groß zu werden. Und das war schon somit auch wirklich eine bewusste Entscheidung, und wir haben uns auch immer sehr bewusst auch für die Investoren entschieden, die bei uns mit dabei sind. Wir haben tatsächlich auch immer ganz gut ausgewählt und versucht zu gucken. Das ist eigentlich ähnlich wie wenn man Mitarbeiter ins Unternehmen einstellt: Man will die Investoren haben, die auch einem gut tun und die auch in die Firma passen, die auch ähnliche Werte vielleicht vertreten, die teilweise auch einen ähnlichen Stil haben, weil ich muss ja mit denen tagtäglich eventuell im Aufsichtsrat zusammenarbeiten. Da will man Menschen auch haben, denen man vertrauen kann und mit denen man gut zusammenarbeiten kann. Und wenn man dann sich auch das ganze global anschaut, unsere Investoren kommen aus Europa, sie kommen aus den USA, teilweise auch mit einem kleinen asiatischen Bezug dabei. Da ist der Markt schon sehr groß, und wenn man als Unternehmen gut da steht, kann man diesen Markt auch ganz gut anzapfen.
N
Nils14:34
Das sind jetzt die finanziellen Ressourcen. Wir haben ja heute Morgen auch schon den Digitalminister gehört, und ich glaube, der Plan ist eigentlich, dass man mehr erfolgreiche Gründungen wie eure incentiviert in Deutschland. Deswegen vielleicht noch mal zu den weiteren Voraussetzungen, die es braucht neben den Finanzen, z.B. Hardware, Datenlieferketten, aber auch rechtliche Experimentierräume als Vorbedingung. Vielleicht kannst du da noch was sagen, wie das mit Innovation in deinem Fall auch generell zusammenhängt?
J
Jaroslaw Kutylowski15:00
Ja, ich meine, Hardware ist eine Frage des Geldes hauptsächlich, und die großen Hardware-Hersteller – gut, Nvidia geht da voran, um den Namen kommt man nicht herum –, die sind auch sehr gerne dabei allen Unternehmen zu helfen, wenn man das nötige Kleingeld mitbringt. Und insofern ist tatsächlich die Frage der Finanzierung, glaube ich, einer der wichtigsten, die am Anfang dabei steht. Wenn es jetzt um die regulatorische Seite angeht, ja, man kann Unternehmen auch in Europa bauen. Ich glaube, dafür sind wir ein gutes Beispiel, und auch die etwas stärkere und erhöhte Regulatorik in Europa verhindert das nicht. Man muss schon aber auch so ein bisschen überlegen tatsächlich, dass je mehr Auflagen wir an Unternehmen haben, je mehr Auflagen wir an Forscher haben, umso mehr werden sich diese jetzt, statistisch gesehen, wahrscheinlich auch in andere Märkte verlagern oder sich andere Märkte anschauen, weil dort einfach der Fortschritt einfacher ist. Und KI ist so eins der Felder, wo man wirklich auch mithalten muss und die ganze Zeit am Ball bleiben muss. Ansonsten funktioniert's einfach nicht und man bleibt hinten.
N
Nils16:19
Und weil wir jetzt alle so zusammen sind und vielleicht der Minister oder seine Mitarbeiter auch noch da sind: Wenn du dir irgendwas wünschen könntest, was wäre das, was sich ändern sollte?
J
Jaroslaw Kutylowski16:27
Ich glaube, meine größte Bitte ist tatsächlich, Technologie oder die Techwirtschaft insgesamt auf ein höheres Level in Deutschland noch mal zu heben. Man sagt immer, wir sind ein produzierender Staat, wir sind sehr exportstark, der Mittelstand und so weiter und so fort. Ja, das ist die Basis, aber ich glaube, diese Basis wird in der Zukunft auch Technologie brauchen. Diese Unternehmen werden alle KI brauchen, diese Unternehmen müssen auch befähigt werden, diese KI anzuwenden. Und insofern würde ich mir schon wünschen, dass auch die Regierung das Thema einfach in den Präsentationen noch mal etwas hervorhebt, dass das, was wir insgesamt an KI bauen können – mit DeepL im Speziellen, aber das ganze Umfeld auch –, dass es dafür auch etwas mehr Wahrnehmung in der Gesellschaft gibt. Ich glaube, das würde viel helfen. Ich glaube, das hat tatsächlich Frankreich sehr gut vorgemacht, und das hat auch wirklich dazu geführt, dass Paris auch in den letzten Jahren als Standort für Technologie einiges dazu gewonnen hat. Also, es ist dann schon auch ein sehr günstiges Mittel da. Man muss dann nicht mehr so viel Geld in die Hand nehmen. Es geht wirklich um die Publizität da drum, um die Bühne, um die Presse, und damit kann man wirklich einiges schaffen.
N
Nils17:57
Ja, gerne Applaus. Jetzt würde ich als Forscherin und in meinem Forscherhut sagen: Bei diesem bevorstehenden Boom – das Wachstum und Skalierbarkeit ja nicht immer nur was Gutes sind, sondern eben auch Druck auf unterschiedliche Systeme auslösen kann –, die Bewertung von DeepL hat sich innerhalb von 15 Monaten jetzt verdoppelt. Wie gehst du als Unternehmer denn mit dem Erwartungsdruck eines solchen Wachstums um? Denn ihr seid noch nicht öffentlich gehandelt, aber auch wenn wir öffentlich gehandelt würden – auf ein Unternehmen da wird immer Druck ausgeübt, umso mehr auch noch.
J
Jaroslaw Kutylowski18:31
Tatsächlich, das ist nicht immer offensichtlich einfach, sage ich mal so. Ich spüre schon eine Verantwortung, sowohl für unsere Investoren und die Gelder, die sie da in das Unternehmen mit investiert haben. Man spricht so gerne von Investoren, aber am Ende sind das vielleicht unsere Rente, die irgendwie zu einem gewissen Anteil da auch mit in DeepL investiert ist. Und natürlich mit den Mitarbeitern, mit den Kunden, mit euch allen, die DeepL nutzt. Das macht mir auch manchmal zu schaffen. Ich glaube, da muss man als Gründer, da muss man als CEO tatsächlich durch. Es ist sehr schön da drin wachsen zu können und es ist sehr schön auch diesen Weg gehen zu können. Insofern würde ich das auch jedem empfehlen, der Lust da drauf hat, aber man sollte sich nicht vormachen. Ganz einfach auch psychologisch, emotional ist es nicht.
N
Nils19:30
Und wie fühlt es sich an, das KI-Aushängeschild Europas zu sein?
J
Jaroslaw Kutylowski19:35
Ja, das erhöht den Druck auch noch mal ein kleines bisschen mehr. Aber wir sind stolz alle da drauf. Wir sind wirklich tatsächlich alle stolz drauf. Es ist schön helfen zu können. Und wenn ich dann hier und da von einem anderen Gründer dann höre: 'Ich habe von euch gelesen, ich habe euch 2018 gesehen, ihr hattet den Mut gegen die Großen im Tech-Bereich anzutreten, ihr habt's geschafft, und das war für mich ein Vorbild', dann freut es mich, und dann freut es mich also einfach, dass wir dem Ökosystem da auch ein bisschen was helfen können.
N
Nils20:18
Danke. Gibt es darüber dann jetzt auch Verbindung in die Politik? Z.B. Ihr baut ja teilweise auch eure Daten selber, da muss man ja mit Ländern in Kontakt treten, um da Infrastruktur aufbauen zu können. Hat es jetzt zugenommen in den letzten Jahren, also machst du viel politische Arbeit oder?
J
Jaroslaw Kutylowski20:35
Ich bin politisch nicht viel unterwegs, tatsächlich. Natürlich, das Unternehmen ist sichtbarer mit einer gewissen Größe, und ich finde das ist auch richtig so. Als kleines Unternehmen – von kleinen Unternehmen gibt's viele, und als Startup ist ja auch die Devise, viele davon sterben. Das ist auch okay so. Das ist in System eingebaut. Das sollte wahrscheinlich auch so sein. Wenn das nicht der Fall ist, heißt das, wir bauen zu wenig riskant und gründen zu wenig. Insofern kann sich die Politik natürlich nicht mit jedem dieser kleinen Unternehmen befassen. Wo man etwas größer wird, wird man sichtbarer, und wir auf jeden Fall treten sehr gerne auf und helfen dabei oder wollen auch helfen, Deutschland da auch noch mal und Europa insgesamt zu stärken.
N
Nils21:23
Jetzt noch, weil diese 30 Minuten gehen rasend schnell vorbei, die wir zur Verfügung hatten – sind wir schon bei den zwei letzten Fragen. Einmal ganz für mich persönlich, für mein Interessensgebiet, weil ich so eine große Verfechterin von Open Source bin: Ihr nutzt über die freizugänglichen Services generierte quasi öffentlichen Daten im Premium-Modell, unter anderem von Firmenwebsites und Social Media vielleicht, habt aber selber bisher keine Open Source Modelle veröffentlicht. Und ja, DeepL ist ein proprietäres Produkt und hat zwar Schnittstellen, aber ich habe das Gefühl, die Feature-Kontrolle wird eben viel auch darüber ausgeübt, dass es nicht ganz offen ist. Warum setzt du – oder ich setzt ihr – auf strategische Schließung, und hat das auch Auswirkung auf das kontrollierte Wachstum, das ja eigentlich was Gutes war des Unternehmens?
J
Jaroslaw Kutylowski22:14
Gut, ich meine, der Markt, in dem wir auftreten, der ist ja von großen Playern dominiert, die eine riesige Marktmacht haben und die auch hohe Ressourcen für Forschung haben, aber wirklich auch nicht nur für Forschung, sondern auch den Eintritt in den Markt. Jedes Unternehmen ist irgendwie auch mit Microsoft oder Google oder Amazon auf die eine oder andere Art und Weise verbunden. Und dieser Konkurrenz müssen wir auch irgendwie standhalten. Und das bedeutet für uns auch, an manchen Stellen müssen wir auch schauen, was für uns auch wirklich gut ist. Und ich glaube, da müssen wir auch gucken, wo können wir den kommerziellen Erfolg herstellen. Und ich glaube, würden wir unsere Modelle wirklich auch open source stellen, dann wäre das schwieriger. Dann würden eventuell Kunden, die die gleiche Übersetzungsqualität haben wollen, auch auf die Open-Source-Lösung teilweise ausweichen, in die wir dann wiederum sehr viel Forschung reingesteckt haben. Das wäre dann glaube ich so nicht möglich. Wenn wir nur den freien Dienst bereitstellen, können wir sehr gut balancieren: Was können wir als freies Produkt anbieten? Wie sind da die Limits? Kann jemand, der Millionen von Zeichen tagtäglich übersetzt, auch noch die freie Plattform nutzen oder müssen wir da irgendwo eingreifen? Insofern, das ist schon auch einfach ein kommerzielles Kalkül, das dahintersteht. Und ich finde, das ist auch wichtig, einmal sich darüber wirklich im klaren zu sein: Wenn man Forschung an der Weltspitze treiben muss, muss das Ganze auch einen kommerziellen Hintergrund haben, weil ansonsten hat man ja kein Geld, um das wieder neu zu reinvestieren, und man hat auch keine Grundlage, externe Forschungsgelder damit reinzubringen. Im aktuellen System zumindest.
N
Nils24:04
Dann vielleicht jetzt überleitend auf die ganz großen gesellschaftlichen Fragen, weil ihr ja eben auch in Märkten unterwegs seid, wo es gerade eine Schließung gibt oder geopolitische Veränderung zur Rolle von Sprache insgesamt. Ihr arbeitet jetzt viel mit Schrift, es gibt aber auch Übersetzungstechnologien, die gehen schon komplett auf Audio, Video und so weiter. Verlernen wir durch den normierten automatisierten Umgang mit Sprache das Verständnis für Nuancen, Ambiguität, Aushandlung, oder öffnen sich auch neue Räume der Verständigung? Wie siehst du das, ganz philosophisch gesprochen? Und vielleicht, wie sieht denn daran anschließend auch noch deine Vision für eine Welt mit Echtzeitübersetzung aus? In der Literatur kennt man ja vielleicht den Babelfisch – technologisch, gesellschaftlich, sprachlich: Wo geht es hin?
J
Jaroslaw Kutylowski24:50
Ja, wir machen ja jetzt mittlerweile auch mit DeepL Voice einiges mit Sprache, und das ist tatsächlich dann auch noch mal eine kleine Ecke beeindruckender. Wenn ich in einem Kundengespräch in Japan sitze, wo ich vorher wirklich nicht folgen konnte, und ich jetzt eigentlich problemlos ganz genau weiß, worum es geht – ich kann mit den Kunden sprechen, diese Barriere ist gar nicht mehr da. Das ist schon beeindruckend, und ich finde das tatsächlich echt sehr, sehr toll. Ich glaube, für die Wirtschaft global wird das auch noch mal wieder ein Fünkchen sein, dass der Schließung der Märkte eventuell auch noch mal entgegenwirkt. Ich glaube, damit ist einfach auch mehr Kooperation möglich, und die haben wir alle, glaube ich, notwendig in der Welt momentan. Ob ich glaube, dass der Babelfisch oder DeepL Voice, wie er letztens genannt wird, komplett die Kommunikation ablösen wird – das glaube ich nicht. Ich finde es immer noch toll mit meinen polnischen Schulfreunden auf Polnisch sprechen zu können. Das deckt dann noch mal ein kleines Stückchen mehr Kultur ab. Das zeigt auch Verständnis, das zeigt auch, dass wir uns für die anderen Länder interessieren. Und insofern finde ich das tatsächlich spannend, dass wir jetzt mit der Übersetzungstechnologie, die wir bauen, eigentlich die Sprachentwicklung in den einzelnen Ländern sogar irgendwie ein bisschen fördern, weil wenn die Technologie da ist, dann kann auch jedes Land seine eigene Sprache haben und man kann trotzdem miteinander kommunizieren. So, ansonsten war die ganze Welt ja schon so ein bisschen in die Richtung unterwegs, dass jeder Englisch gelernt hat und vielleicht ein bisschen Deutsch verlernt hat. Ich habe das Gefühl, meine Kinder sprechen besser Englisch als Deutsch mittlerweile, und das will man vielleicht nicht. Dann geht das verloren.
N
Nils26:47
Vielen, vielen Dank. Es geht ja heute um Kommunikation. Nur kurz, wir werden kein Q&A mehr schaffen in der letzten Minute, aber wenn ich es richtig weiß, bist du noch kurz da und kannst auch angesprochen werden. Das Gesicht kennen ja jetzt alle, die Ursprungsmythen, die Umtriebe und ein paar Kennzahlen auch. Vielen, vielen Dank von meiner Seite, dass du die Zeit genommen hast. Ich finde das einfach einen sehr faszinierenden Bereich von der Technologieentwicklung, der sehr dynamisch ist. Wir hätten noch in dem Bereich Entwicklung des Arbeitsmarkts gehen können. Ich habe gelesen, ihr arbeitet tatsächlich mit professionellen Übersetzern eher zusammen, um das Benchmarking zu machen. Also, es geht nicht ums Ersetzen, sondern um das Zusammenarbeiten, und das ist ja vielleicht ein sehr hoffnungsvoller Schlusspunkt für unser Gespräch. Vielen, vielen Dank.
J
Jaroslaw Kutylowski27:34
Danke schön. Hat mich gefreut.
N
Nils27:38
Danke. Danke, dass du da bist. Danke schön.