Samuel Deichmann16:08
Weil das Geschäft einfach dafür spricht. Diejenigen, die meinten, auch nach Corona würde nur noch im Internet gekauft, die haben sich eben geirrt. Und konnte das beobachten: Während der Corona-Zeit hat natürlich das Online-Geschäft enorm profitiert, weil die Läden geschlossen waren, keine Frage. Aber danach gab es auch wieder Rückgänge. Und wir haben das erlebt, auch wir haben online einen gewissen Sprung gemacht in den Corona-Jahren, aber wie bei allen ist das Online-Geschäft dann auch erstmal wieder leicht zurückgegangen im letzten Jahr. Und unsere Läden sind enorm stark zurückgekommen. Wir haben im letzten Jahr Umsätze gemacht, die über den in 2019 lagen.
Und ich hatte wirklich das Gefühl – und die Ahnung hatte ich immer schon –, dass wenn die Menschen so lange quasi eingesperrt waren und viele soziale Kontakte nicht mehr wahrnehmen konnten, dann haben sie auch das Bedürfnis, mal wieder in die Läden zu gehen. Ware anzufassen, mit Menschen zu sprechen. Einkaufen ist ja auch ein wirklich ein schönes Erlebnis, das erfüllt ja auch irgendwie im psychosozialen Sinn. Und dass man einfach nur noch auf der Couch sitzt, wenn man einkauft, das erfüllt nicht alle Bedürfnisse, die Menschen haben.
Aber die Frage ist ja auch, unabhängig von Corona, hat man das alleine in der Hand? Weil wenn man selber angewiesen ist auf Innenstädte – und wir reden jetzt ja nicht nur von Hamburg, Berlin – 4.000 Filialen hat, dann ist es ja auch klar, die sind auch in irgendwelchen kleineren Städten oder Örtchen, müssen ja sein, weil so viele Grüße gibt's ja gar nicht. Und da ist man dann ja nicht mehr sozusagen in der Lage, selber vielleicht die Trends so mitzuentwickeln, sondern da ist man auch so mega auf die Entwicklung angewiesen. Und die heißen dann vielleicht einfach, es gibt da keine anderen mehr und dann bringt das am Ende nicht mehr.
Meine Sorge jetzt, ich glaube, was für uns momentan noch sehr positiv als Faktor reinkommt, ist, dass wir eben ganz häufig, insbesondere in Deutschland, in Lagen sind, die Traffic seit ich gar nicht so viel verloren haben in der letzten Zeit. Wir haben beispielsweise mehr als 600 Läden, die in solchen Fachmarktzentren sind. Kann man sich vorstellen: da hat man einen großen Parkplatz in der Mitte, da ist dann ein Aldi, daneben ein Lidl, einen Kik und eben wir. Und wir sehen das insbesondere, der Lebensmittelhandel nach wie vor sehr stark eben im stationären Geschäft fußt. Und das heißt, sobald die Familien einmal auf diesen Parkplatz gefahren sind, gehen sie eben erst einmal zum Aldi, dann gehen sie vielleicht noch mal zum DM, und wenn sie Kinder dabei haben, wissen Sie im Zweifel, habe ich jetzt gerade die Kleinen dabei, ich gehe noch mal ganz kurz zu Deichmann rein, probiere da meine Kinderschuhe an und kann das ganze sozusagen dann direkt in einem Einkauf abschließen.
Also ist nicht so angewiesen, dass sozusagen diese klassischen innenstädtischen Planiermeilen, sondern ist halt mehr so gebundene Lagen. Dann ja, aber das Interessante ist, dass selbst die Innenstädte und die Einkaufszentren in diesem Jahr wieder richtig stark zurückkommen. Also wir sehen momentan nicht, dass die Städte gegenüber unseren Fachmarkt-Lagen verlieren, was man sonst sagt. Das ist absolut richtig, gerade nach Corona und auch während Corona noch in der Zwischenzeit haben die Märkte immer am besten funktioniert. Aber wir sehen, dass die zumindest bei uns, dass die Frequenzen in den Innenstädten und auch in den Einkaufszentren wieder zurückkommen. Leute laufen rein und wie viele Leute kaufen selbstverständlich ja. Aber es gibt ja schon noch Leerstand.
Aber das Gefühl, dass das – in Hamburg, ich war selbst in Hamburg da, wenn ich aber die Mönckebergstraße laufe, gibt's erstaunlich da auf einmal Ladengeschäfte, die nicht bevölkert sind. Ich glaube, dass wir für viele Kunden auch eine Destination sind. Man muss sagen, Deichmann steht einfach für ein wahnsinnig kompetentes Angebot an modischen, qualitativ guten, preiswerten Schuhen. Da gibt's vielleicht nicht so viele Alternativen. Insofern spüren wir nach wie vor nicht, dass unsere Läden irgendwie auch in Teile rückgängig sind.