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Christian Klein
Chief Executive Officer & Member of Executive Board, SAP

Ein Gespräch mit SAP-Chef Christian Klein

📅 Jan 24, 2026 POLITICO Europe 20 MIN 30 SEGMENTS · 2 SPEAKERS
Europa steht wirtschaftlich und technologisch unter Druck. Im Gespräch am Rande des World Economic Forums in Davos macht ...

Questions asked in this interview

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  1. 0:01Aber auch was braucht der Standort Deutschland, vielleicht sogar der Standort Europa jetzt von der Politik?
  2. 1:30Das ist schön für Sie, aber was sagt das über den Standort?
  3. 2:17... mal zu, aber wenn ich inhaltlich auf das Blicke, was hier diskutiert wird, habe ich das Gefühl, diese pure Innovationslust beim Thema AI ist auch der politischen Dimension ein Stück weit gewichen in diesem Jahr. Empfinden Sie das auch so?
  4. 5:56Noch mal zur politischen Dimension: Was davon wird dann souverän in Europa entstehen können an Arbeit, in Sachen KI, aber auch insgesamt im digitalen Bereich? Wo können wir hinkommen?
  5. 8:59Das sehen Sie gar nicht so sehr?
  6. 11:40Ist es denn trotzdem so, dass Sie sagen, Europa ist für mich, Christian Klein, immer noch die Antwort?
  7. 13:29Würden Sie eher zu Frau von der Leyen oder eher zu Herrn Merz gehen, damit er das Problem löst?
  8. 14:06Haben Sie wirklich das Gefühl, er hat's verstanden?
  9. 15:02Aber trauen Sie es dem deutschen demokratischen System zu mit dem Suchen nach Koalition in der Mitte und dem Kompromisszwang, da jetzt noch die schnellen Lösungen zu finden?
  10. 16:14Sie dürfen drei Entscheidungen treffen, die sofort durchgesetzt werden. Was ist es?
  11. 17:57Ist das etwas, was Sie aus Ihrer Perspektive als CEO sorgt?
Gner Plinski 0:01 ↗
Wer in diesen Tagen über Technologie und Souveränität in Europa spricht, der kommt an einem Namen nicht vorbei: Christian Klein, der CEO von SAP. Er führt nicht nur eines der erfolgreichsten Softwareunternehmen der Welt, sondern steht auch im Zentrum der Debatte darüber, wie Europa in der digitalen Transformation wieder Tritt fassen kann. Klein ist einer der wenigen europäischen Techchefs, die auf Augenhöhe mit den Giganten aus den USA und Asien verhandeln. Er kennt die politischen Stolpersteine, die technologischen Rückstände und auch die Chancen, die Europa trotzdem hat. In dieser Sonderausgabe des Berlin Playbook Podcast aus Davos geht es heute deshalb weniger um Quartalszahlen als mehr um die großen Linien: Was bedeutet digitale Souveränität konkret? Welche Rolle spielt SAP in diesem geopolitischen Wettbewerb? Aber auch was braucht der Standort Deutschland, vielleicht sogar der Standort Europa jetzt von der Politik? Das Gespräch habe ich mit Christian Klein am Donnerstag am Rande des World Economic Forum in Davos aufgezeichnet. Ich hoffe euch gefällt's. Das ist der Berlin Playbook Podcast an diesem Samstag, den 24. Januar, und ich lade euch jetzt herzlich ein zu diesem Sonderpodcast mit Christian Klein von SAP. Mein Name ist Gner Plinski von Politik in Deutschland und wir starten jetzt.
Christian Klein, herzlich willkommen beim Berlin Playbook Podcast.
Christian Klein 1:29 ↗
Ja, schönen guten Morgen.
Gner Plinski 1:30 ↗
Wir sprechen hier in Davos und wenn man über die Promenade läuft, dann sieht man viele interessante Unternehmen. Nur das einzige aus Deutschland, das ist SAP. Das ist schön für Sie, aber was sagt das über den Standort?
Christian Klein 1:43 ↗
Ja, man muss natürlich dazu sagen, wenn man hier entlang der Hauptstraße läuft in Davos, sind natürlich viele Technologieunternehmen. Wir sind das einzig größere Technologieunternehmen in Europa. Für uns ist es sehr wichtig. 90% der Menschen, die ich hier sehe, sind unsere Kunden, viele Techunternehmen. Es geht natürlich auch viel um Partnerschaften, aber dennoch, ja, es zeigt natürlich, dass nach SAP Deutschland und Europa nicht geschafft hat, noch mal ein ähnliches Unternehmen der Technologiebranche groß zu machen. Und das sind durchaus Themen, die man ernst nehmen sollte, weil natürlich die Technologie Einzug hält in viele, viele Industrien und das ist auch wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit von Europa.
Gner Plinski 2:17 ↗
Ja, wir kommen da gleich noch mal zu, aber wenn ich inhaltlich auf das Blicke, was hier diskutiert wird, habe ich das Gefühl, diese pure Innovationslust beim Thema AI ist auch der politischen Dimension ein Stück weit gewichen in diesem Jahr. Empfinden Sie das auch so?
Christian Klein 2:32 ↗
Ja, leider ist schon jede Menge los im neuen Jahr, viel Emotion und es geht viel um Zölle und Digitalsteuer. Aber ich glaube, wir in Europa und Deutschland sind gut beraten, mal zu überlegen: Ja klar, man muss natürlich irgendwann auch Stellung beziehen und man muss auch eine klare Meinung haben, man muss einheitlich auftreten. Aber was die Agenda viel mehr bestimmen sollte, ist: Wie können wir eigentlich KI anwenden? Wie kann mal Europa was schaffen? Wo wir mal in die Führung gehen, wo Europa führend ist. Europäische Cloud, aber natürlich auch die KI anzuwenden. Schauen Sie, wir sind stark immer noch in der Chemie, in der Fertigung, Auto, aber ich glaube, es geht ja darum, wie bleiben wir weiterhin stark und es geht nur durch die KI. Wir können nicht mit den Energiekosten mithalten, die Arbeitskosten sind auch höher, aber was wir machen können, ist wie können wir die KI einsetzen, unsere Geschäftsmodelle zu transformieren. Und da gibt es übrigens auch tolle Startups auch in Deutschland und ich glaube, darauf sollte sich jetzt der Fokus legen und auch auf der politischen Seite, wie können wir denn den Rahmen verbessern, dass diese Startups auch erfolgreich werden?
Gner Plinski 3:33 ↗
Ist interessant, dass Sie so sehr sagen, KI ist die Zukunft und auf der anderen Seite Energie haben wir aber schon verloren, weil eigentlich muss man es ja zusammendenken.
Christian Klein 3:40 ↗
Ja, es ist ja nicht nur so, dass die Energie jetzt nur aus Deutschland kommen kann und zum anderen sehe ich jetzt erstmal nicht die Energie als den großen Grund, warum wir die KI nicht anwenden können. Es ist viel mehr darüber, wie können wir jetzt die KI in unsere Unternehmensprozesse, in unsere Unternehmensmodelle einfügen? Wie können wir unsere Unternehmensmodelle produktiver machen, intelligenter machen? Wir können damit für mehr Wachstum sorgen und dann am Ende kann man auch muss man natürlich auch über das Thema Souveränität, was passiert mit den Daten etc., reden. Aber ich sehe offen gesagt zurzeit, wir haben kein einziges KI-Projekt, was an dem Thema Energie oder Mangel an Rechenzentren scheitert.
Gner Plinski 4:19 ↗
Das ist natürlich auch eher ein Thema für die Zukunft, aber wenn wir mal noch mal auf SAP schauen, Software ist ja nun eigentlich auch bedroht durch KI. Gibt ja nur nicht wenige, die sagen, Software ist ein Thema bestenfalls der Gegenwart, aber nicht mehr der Zukunft.
Christian Klein 4:33 ↗
Ja, also ich glaube natürlich, wenn ich jetzt CEO wäre von einem Chiphersteller oder von einem der Large Language Modelle Unternehmen, dann würde ich vielleicht ähnliches sagen. Aber schauen Sie, ich bin auch da relativ unaufgeregt. Natürlich wird sich die Software ändern, aber die Software wird nicht verschwinden. Schauen Sie, mit unserer Software betreiben wir sehr, sehr viele komplexe Unternehmensprozesse in Finanzen, im Personalwesen, in der Supply Chain und diese Unternehmensprozesse, die bestehen ja weiterhin. Die werden sich aber verändern durch KI-Agenten. Aber diese KI-Agenten, die brauchen Daten, hochqualitative Daten. Kein LLM der Welt hat diese Geschäftsdaten und das ist auch aus guten Grund so. Und die brauchen den Kontext und nur wenn man beides hat, kann man auch erfolgreich sein, wenn es darum geht, KI im Unternehmensumfeld einzusetzen. Und genau das tun wir. Und deswegen mache ich mir da weniger Sorgen, dass es keine Software mehr gibt in der Zukunft. Natürlich müssen auch wir ja, es ist eine Transformation für SAP, wie bauen wir diese KI-Agenten? Wie transformieren wir SAP? Wie entwickeln wir Software in der Zukunft? Aber dann ist es natürlich dann die gleiche Transformation auch für unsere Kunden, weil natürlich auch da sich die Abläufe durch die KI ändern werden. Aber dazu braucht es Software, aber Software weniger mit neuen Features, sondern mehr mit was können denn diese KI-Agenten leisten für unsere Kunden.
Gner Plinski 5:56 ↗
Noch mal zur politischen Dimension: Was davon wird dann souverän in Europa entstehen können an Arbeit, in Sachen KI, aber auch insgesamt im digitalen Bereich? Wo können wir hinkommen?
Christian Klein 6:08 ↗
Was in der Diskussion oftmals vernachlässigt wird, wir reden viel über Rechenzentren und ja, das ist wichtig. Wir brauchen natürlich Rechenzentren, die Sie natürlich in den USA finden. Aber wir haben auch jede Menge in Deutschland. Wir arbeiten ja mit NTT Systems, wir haben eigene Rechenzentren in Frankfurt, rund um Heidelberg und wir haben Rechenzentren auch in Europa. Also, ein Kunde kann zu uns kommen, kann heute sagen, okay, ich möchte jetzt Supply Chain mit KI kaufen von SAP, dann bekommen Sie erstmal eine Software, die kommt aus Deutschland und das vergisst man oft. Die Software ist eigentlich, überlegen Sie mal, Sie haben jetzt Software aus den USA und morgen würde was passieren, dann ist es nicht die Infrastruktur, die erstmal ein Problem wird, sondern ich kann meine Supply Chain gar nicht mehr betreiben. Also die Software schon mal ganz wichtig und ich glaube, oftmals wird auch vergessen, was SAP eigentlich beitragen kann zur Souveränität in Europa. Das zweite Thema ist natürlich dann, was Souveränität unabhängig wichtig ist, ist natürlich auch das Thema auf der Datenseite. Wo werden meine Daten lokalisiert? Und das ist natürlich eine valide Frage, wo gehen meine Daten hin? US Cloud Act etc. Aber dafür haben wir Lösungen. Wir haben Rechenzentren hier. Wir können das auch selbständig betreiben. Also auch die Menschen, die Software betreiben, können aus Europa kommen und dann am Ende die Cloud-Infrastruktur. Wie gesagt, wir haben Rechenzentren hier, wir haben auch deutsche Infrastrukturbetreiber. Eines wird allerdings nicht der Fall sein, egal zu wem Sie gehen, ein Stückchen Hardware wird immer aus den USA oder China kommen, meistens aus den USA. Und das ist aber auch für die Souveränität von Deutschland in meinen Augen überhaupt nicht maßgeblich, weil wir davon ausgehen, auch bei allen Zweifeln an dem, was Donald Trump nicht nur hier in Davos, sondern auch woanders mal sagt, die USA immer irgendwo ein verlässlicher Partner bleiben. Also davon gehe ich mal aus. Aber auf der anderen Seite schauen Sie an, auch diese Hardware. Es gibt ja auch Hardware-Giganten dann aus China. Und jetzt kann man natürlich sagen, oh, auch da können wir keine Hardware mehr beziehen. Aber ich glaube, wenn man in solchen Szenarien denkt, dann kann man ja irgendwann auch sagen, okay, da gibt's auch keine Software mehr aus den USA etc. Gut, da gibt's noch SAP, aber ich glaube, man sollte in solchen Schienen nicht denken, sondern ich glaube, viel wichtiger zu sagen: Unabhängigkeit bedeutet für mich, dass ich weiß, wo meine Daten lokalisiert werden. Ich weiß, wer meine Daten anfasst, wer die Software betreibt. Ich weiß, wo das Rechenzentrum steht. Ich kann dann natürlich noch mal auch für sehr kritische Daten noch mal eine Airgap-Lösung, also das heißt, ich koppel vom globalen Netzwerk. Alles das gibt es ja heute schon. Ich glaube, was wir uns viel mehr Gedanken machen sollen, ist wie schaffen wir eigentlich Innovation? Wie kommen wir wieder zu mehr wirtschaftlicher Stärke? Und da haben wir sehr, sehr viel Industrie-Know-how, wir haben sehr viele Daten und wir können die KI jetzt anwenden und da können wir für uns Industrie-KI-Modelle erschaffen, Agenten bauen für die Chemie, für die Fertigung etc. Ich glaube, das wäre eine viel, viel wichtigere Diskussion in Europa.
Gner Plinski 8:59 ↗
Das heißt, Sie sehen diese Eingeklemmtheit zwischen Ost und West, wenn man so will, zwischen Chips und den Hyperscalern auf den beiden Seiten. Das sehen Sie gar nicht so sehr?
Christian Klein 9:08 ↗
Also, ich denke nicht in okay, wo kommt denn jetzt jedes einzelne Stück Hardware her? Ich glaube, da wird's auch in Zukunft Lösungen geben. Ich denke eher damit, wie können wir eigentlich führend werden, mal ein Industrie-KI-Modell zu kreieren, das es in noch nicht in China gibt, das es noch nicht in den USA gibt. Wie können wir mal führend werden, wo dann auch die USA mir sagen würden: 'Oh ja, da sind wir jetzt aber auch, dann bedienen wir uns auf der Industrieseite mit einem KI-Modell aus Europa.' Schauen Sie, wir betreiben auch Teile der US-Regierung mit unserer Software, kritische Teile, die US Army, die Navy, läuft auf SAP. Was ich toll finde, ist da drüben, die sagen: 'Okay, SAP hier ist in unserem Souveränitätsstandard, dass die Software, Teile der Software auch in Deutschland entwickelt worden ist, ist für die USA eigentlich gar kein Problem. Die wollen einfach nur Innovationen.' Und ich glaube, das wäre auch gut für uns in Europa, weniger immer drüber nachzudenken, wo kommt denn dieses Stückchen Hardware her und das und wir verschwenden unsere Zeit damit und denken gar nicht darüber nach, wo können wir eigentlich führend sein? Wie können wir eigentlich mal unsere Stärken nehmen, um Innovation zu schaffen? Hier geht's doch immer nur darum, oh, wir müssen das noch regulieren und das noch regulieren. Wer macht sich denn noch Gedanken darüber, was können wir eigentlich an Innovation kreieren, was es vielleicht in den USA, China noch gar nicht gibt, weil es gar nicht mehr europäisches Mindset ist, sich das vorzustellen? Ich glaube einfach, man muss ja schon zugeben, ja, jetzt sind wir das einzige große europäische Techunternehmen und natürlich sieht man dann, oh, der Einfluss von den USA und China wird dadurch natürlich größer. Das ist keine Überraschung, aber ich glaube, man sollte dann eher mal einen Schluss daraus sehen, wo sind denn unsere Stärken noch? Was haben wir denn zu bieten und wo können wir denn jetzt investieren, um diese Stärken auch mal auszuspielen, um auch da einfach ein Stück unabhängiger zu werden? Und in der angewandten KI, da entstehen ja gerade viele Startups. Ich meine, wenn ich Private Investor wäre, würde ich jetzt mein Geld in Neuren schenken. Oh, du machst jetzt morgen mal den Hyperscaler? Mache ich nicht. Das wird auch commoditized. Ich habe ja auch Hyperscaler, mittlerweile auch China gibt es die. Wir haben auch lokale Anbieter. Also es gibt Hyperscaler genug auch lokal. Und das andere Thema ist, dann würde ich doch eher sagen, okay, wo ist denn der Wettbewerb noch nicht entschieden? Wo entstehen denn jetzt neue Möglichkeiten? Und wenn Sie hier in Davos mit den Unternehmen, mit der Wirtschaft reden, die werden Ihnen alles eine sagen: 'Helf mir die KI so anzuwenden, dass ich wettbewerbsfähig bleibe in 3 Jahren.' Und da müssen wir in Europa stark sein. Das ist genau die Chance, die wir haben.

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Klein, C. (2026, January 24). Ein Gespräch mit SAP-Chef Christian Klein [Interview transcript]. POLITICO Europe. CEOInterviews.AI. https://ceointerviews.ai/interview/667844/

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Christian Klein. "Ein Gespräch mit SAP-Chef Christian Klein." POLITICO Europe, 24 Jan. 2026. Transcript, CEOInterviews.AI, https://ceointerviews.ai/interview/667844/.

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