Matthias Zieschang11:09
Also für mich ist Controlling — sowie ein gutes Controlling — gebietet ein effizientes Handwerkzeug. Stellen Sie sich einmal die grösste Klasse-Bohrmaschine vor, die ich jetzt nicht nennen will. Je besser die Bohrmaschine, desto mehr können Sie erreichen. Allerdings die Bohrmaschine alleine ist nichts, sie ist nicht hinreichend. Sie brauchen auch denjenigen, der damit umgehen kann. Ich will damit sagen: Am Ende ist es einfach die gute Kombination zwischen einem effizienten Controlling im Sinne eines effizienten Werkzeugs auf der einen Seite und dann natürlich auch einer Führung, die genau weiß, was sie will. Diese Kombination macht es aus. Das Controlling alleine könnte es nicht bewirken, aber es ist eine notwendige Voraussetzung, ein effizientes Controlling im Unternehmen zu haben, das einfach die Zahlen beherrscht, im Sinne die Aussagefähigkeit gegeben ist, wo die Zahlen möglichst wenig mit kalkulatorischen Werten arbeiten, immer auch eine starke Cash-Bezogenheit haben, dass man sich nicht in irgendwelchen gebuchten kalkulatorischen Größen verliert und sich am Ende wundert, wenn es vielleicht gar nicht so schlecht aussieht, aber die Kasse leer ist.
Im Controlling oder aus dem Controlling heraus kann man das natürlich auch gestalten. Aber ich hatte Sie so verstanden, dass Sie sagen: Gestalten muss man immer, aber es gibt momentan noch keinen Raum für irgendwelche Optimierungsprojekte, soweit dass Projekte durchgeführt werden, die nicht erforderlich wären, die nur nice-to-have sind. Wenn Sie aufs Controlling schauen, was würden Sie sagen, sind aktuell die Herausforderungen bei Ihnen im Controlling-Bereich?
Also eine ganz harte Steuerung der Verschuldung. Im Hintergrund ist die Verschuldung insgesamt, bedingt durch die Verhältnisse, sehr hoch gelegt, und die muss wieder runterkommen. Verschuldung steuern heißt natürlich: Alle cash-relevanten Größen ganz eng im Griff haben. Also wiederum: Investive Ausgaben, echte Personalausgaben, echten Materialverbrauch. Die permanente Steuerung dieser drei Hebel ist ganz wichtig.
Das Zweite, was ganz wichtig ist: Viel stärker als in der Vergangenheit in Szenarien denken und rechnen. Das heißt auch: Verschiedene Größen durchspielen, wie die sich dann bezogen auf den gesamten Konzern auswirken, dass man das quasi auf Knopfdruck mit Parameterveränderungen entsprechend rechnen und Veränderungen darstellen kann.
Und natürlich jetzt perspektivisch — das ist eigentlich die Lessons Learned — unser Geschäftsmodell noch stärker variabilisieren als das, was wir in der Krise gemacht haben. Flughäfen sind Infrastruktur, das sind normale Fixkostengeschäfte. Jetzt ist es uns gelungen, zu unserer Überraschung — das hätte ich vorher gar nicht für möglich gehalten —, eine ganz starke Variabilisierung und Flexibilisierung herbeizuführen. Und diesen Gedanken wollen wir nicht nur vortragen, sondern manchmal sogar verstärken. Das heißt, in Abhängigkeit möglicher zukünftiger Schwankungen auf der Volumenseite den Kostenblock noch stärker variabilisieren und flexibilisieren.