Herr Sewing, schön, dass Sie sich an ihrem großen Tag Zeit nehmen. Die Deutsche Bank präsentiert wieder, muss man sagen, ein Rekordergebnis. Was ist für Sie persönlich die wichtigste Zahl in diesem Werk?
Ja, zunächst einmal gibt's viele schöne Zahlen, aber ich würde schon sagen, dass die Ertragskraft und der Vorsteuergewinn nach 9 Monaten von 7,7 Milliarden beeindruckend ist und es einfach zeigt, dass die Bank die Transformation erfolgreich gegangen ist. Wir nah an den Kunden sind und sich einfach in allen Geschäftsbereichen zeigt, dass wir wachsen, Kostendisziplin haben und damit sehr profitabel sind.
Das natürlich auch ein großer Verdienst seit ihrer Zeit, muss man einfach sagen, und das in einem wirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld. Da fragt sich der eine oder andere, wie schafft die Deutsche Bank das, was die Regierung momentan vielleicht noch nicht so richtig schafft?
Ja, ich glaube, es ist natürlich schon, wenn man die letzten 5 Jahre die Bank wirklich auf diese Strategie formt und zuschneidert, dass man jetzt die Ergebnisse sieht. Also es ist eine wirklich konsequente Umsetzung unserer Strategie. Das ist Nummer eins. Nummer zwei ist, dass wir eine erhebliche Nachfrage von unseren Kunden haben, ob es Privatkunden sind, Firmenkunden, institutionelle Kunden, die in dieser Welt der Unsicherheit, in dieser Welt der Volatilität einfach den Rat einer globalen Bank, aber dann auch mit regionalem Know-how brauchen. Und das haben wir immer gesagt, Deutschland braucht eine große internationale Bank mit einem weltweiten Netzwerk und das zahlt sich jetzt aus. Und ich glaube, das macht uns erfolgreich.
Braucht Europa auch eine große Bank, wenn Sie das schon so für Deutschland ansprechen?
Na ja, Europa hat große Banken, aber ich glaube, Europa braucht insbesondere eine große Bank, die auch im Kapitalmarktgeschäft zu Hause ist, denn genau dieses Kapitalmarktgeschäft liefert die Antworten auf die Volatilität, gibt den Kunden die Möglichkeiten, ihr Risiko zu managen und deswegen ist die Deutsche Bank einfach hervorragend positioniert.
Zurück zu ihren Kunden. Der Deutschen Bank geht's gut, das wissen wir jetzt. Wie geht's ihren Kunden? Sie sehen die ganzen Kredite. Wie viele sind ausfallgefährdet? In welchen Branchen läuft es gut? Wo haben Sie Sorgen?
Es ist sicherlich eine herausfordernde Situation. Es ist nun mal so, dass gerade in Europa, aber auch in Deutschland wir in den letzten vier Jahren kein Wachstum gehabt haben. Auf der anderen Seite zeigt sich hier, dass grundsätzlich auch gerade in unserem Kreditportfolio wir eine enorme Resilienz unserer Kunden haben. Aber es bedeutet auf der anderen Seite, dass wir wieder langsam in das Wachstum, in die Wettbewerbsfähigkeit rein müssen. Deswegen ist es so wichtig, dass die Bundesregierung jetzt Fortschritte macht bei den Strukturreformen, nicht nur bei dem Stimulus und bei dem Stimulus, der durch den Staat ausgelöst wird, sondern wir brauchen echte Strukturreformen, dass wir wieder wachsen können und dass unsere Unternehmen wertbewährt bleiben.
Und welche Branchen brauchen das am meisten momentan? Ich meine, wir sprechen alle Energie, energieintensive Branchen, Chemiebranche, die Automobilindustrie hat's momentan schwer. Sehen Sie das auch in Ihren Kreditbüchern? Wo haben Sie die größten Sorgen?
Ja, es geht erstmal darum, dass die Strukturreformen allen Unternehmen helfen. Es geht um Energie, es geht um Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, es geht um Technologieförderung, Digitalisierung. Aber natürlich ist es insbesondere so, dass die energieintensiven Industrien Erleichterung auf der Energieseite brauchen. Wir brauchen die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Wir müssen die Sozialkosten versuchen zu verringern auch im europäischen und im weltweiten Vergleich. Von daher würde ich sagen, ist dieser Bedarf an Strukturreformen industrienübergreifend. Was wir ganz nötig brauchen ist, dass wir einen echten europäischen Heimatmarkt schaffen. Wir reden über Würzölle mit Amerika, vielleicht auch mit anderen Regionen der Welt. Es ist enorm wichtig, dass wir sozusagen unsere internen Zölle, die wir auch haben innerhalb von Europa, dass wir die verringern, dass wir einen großen Heimatmarkt haben. Wenn wir das schaffen, Strukturreformen, Anlauf der öffentlichen Investitionen und einen echten europäischen Heimatmarkt, dann werden wir auch wieder deutlich mehr Wachstum in Deutschland sehen.
Wo sehen Sie schon konkrete Verbesserung durch die neue Bundesregierung? Im November haben wir 6 Monate, Friedrich März. Sehen Sie schon irgendwas? Ich weiß, Sie sind ja grundsätzlich optimistisch, ja, oder ist es immer noch viel zu langsam alles?
Ja. Grundsätzlich ist erstmal gut, dass diese Regierung sich Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit klar auf die Agenda gesetzt hat und dahingehend haben wir einige gute Entscheidungen gesehen. Fängt an — na ja, wir fangen an mit der Adjustierung der Schuldenbremse, dass wir 500 Milliarden in Infrastruktur investieren und wir sehen ja jetzt, dass es langsam anfängt, dass diese Milliarden eingesetzt werden. Genau dasselbe auf der Verteidigungsseite. Wir sehen die Verteidigungsunternehmen, die natürlich auch von dieser Situation profitieren. Wir haben Investitionsbooster im Juli plus die Ankündigung, dass die Körperschaftssteuer nach unten geht. Von daher, wir haben hier Entscheidungen, die meines Erachtens in die richtige Richtung gehen, aber sie haben recht, es muss schneller gehen. Wir sehen natürlich auch, was in anderen Regionen der Welt passiert, wie dort auf Wettbewerb und Wachstum gesetzt wird. Von daher können wir die Regierung nur ermuntern, diese ersten Schritte kontinuierlich weiterzugehen und die Geschwindigkeit zu erhöhen.